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Psycholyse-Sitzungen (1970) und Folgende Jahre
Mescaline
by Hans M
Citation:   Hans M. "Psycholyse-Sitzungen (1970) und Folgende Jahre: An Experience with Mescaline (exp91610)". Erowid.org. Jun 2, 2018. erowid.org/exp/91610

 
DOSE:
600 mg oral Mescaline

BODY WEIGHT: 75 kg


Einleitung und Besprechung zur 3. Sitzung

(1. Sitzung und „set and setting“ unter: Psycholyse-Sitzungen (1968)
(2. Sitzung unter: 90902)

Diese Sitzung bringt immer wieder andere Teile aus dem Gesamtkomplex an die Oberfläche. Jedes Puzzle ist eine kleinkindhafte Zurechtlegung und Erklärung, ausgelöst von Erlebnissen des Kleinkindes; und weiter auch: kleinkindgemäße Identifikationen mit Menschen und Ereignissen. Es ist dies die kindgemäße (natürlich unlogische und oft „realitätsferne“) Verarbeitung von Ereignissen, die anschließend unbewusst und verdrängt werden; nur leider hängt man als Erwachsener oft an diesen Identifikationen, Entscheidungen und kindlichen Theorien; sie bestimmen einen im weiteren Lebenslauf, sofern sie nicht bewusst gemacht werden und anschließend andere, Situations-angemessenere Entscheidungen getroffen werden. Wohlgemerkt: alle diese seelischen Aktivitäten des Kleinkindes haben mit Logik naturgemäß wenig bis nichts zu tun, wie überhaupt Logik im Seelenleben nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Meine damaligen sexuellen Probleme konnte ich während der Sitzung durchgängig verfolgen. Mescalin ermöglichte es mir, den „Kanal“:
(Körperliches Symptom)↔(zugehörende Gefühlsgrundlage)↔(intellektuelles Erfassen) durchlässig und zugänglich zu erleben. Im Verlauf der späteren Jahre verhalf mir das zu weitgehendem Abstellen dieser Symptome.

Gerade auch im Zusammenhang mit angesprochenen depressiven Störungen:
Ich erinnere mich, dass ich gerade auch die Identifikation mit meinem sterbenden Großvater und die gotthafte Überhöhung meines sterbenden Großvaters als einen einlullenden, schützenden, watteähnlichen Mantel benutzte, der mich jeder Auseinandersetzung, jedes Kampfes enthob, ja der mir das Gefühl einer wertvollen Enthaltsamkeit/Entsagung gab, Stichwort: „edle Melancholie“. So etwas war bei mir Gefühlsgrundlage für depressive Phasen.

Es ließen sich zu jedem Puzzle ausführliche Sätze finden, was mir aber zu viel Arbeit ist. Bin aber bei Interesse gerne bereit, Fragen zu beantworten, soweit ich mich noch erinnere und soweit Besprechungsprotokolle was hergeben.

Ich möchte noch etwas zu meinem Motiv sagen, hier auch zum Teil intime/heikle Sachen zu bringen. Ich habe hier keine exhibitionistischen Anwandlungen, sondern möchte psycholytische Arbeit aus der Sicht und dem Erlebnis eines „Patienten“ beschreiben, was doch eher selten zu lesen ist; eines Patienten, der zwar durch die Sitzungen einiges auf psychoanalytischem Gebiet gelernt hat, aber ansonsten dilettantischer Laie ist. Und: ich möchte zeigen, dass nicht einmal die Ausbildung zum Psychologen oder Psychoanalytiker notwendig ist, um erfolgreich Psycholysearbeit zu begleiten; hier muss dann allerdings die Kompetenz dazu auf anderem Wege erworben werden – welche Wege, möchte ich hier weitgehend offen lassen, jedoch eigene psychoanalytische-/psycholytische Sitzungen gehören wohl dazu, denke ich.

Außerdem möchte ich mit den Beschreibungen anderen Mut machen: es gibt psycholytische Methoden, die einen weiterbringen. Man kann damit rechnen, dem Unbekannten, Unerwarteten, Erschütternden zu begegnen. Und man kann lernen, die Angst als einen abgespaltenen, verdrängten (weil Angst vor der Angst) Teil von sich Selbst zu begreifen und sie wieder liebevoll als zu einem gehörig an die Hand zu nehmen.

Ein weiteres Motiv ist meine heiße Wut angesichts der schon grotesken Gängelung erwachsener, selbstverantwortlicher Menschen in Deutschland (und weltweit) durch das Verbot der wirksamsten Psycholysemedikamente; allein die hanebüchene juristische Einordnung der Halluzinogene in die Gruppe der Betäubungsmittel (in Deutschland) ist eine von keinerlei Sachkenntnis getrübte gesetzgeberische Tätigkeit. Und dann die scheinheilige Begründung, dass es hier einzig um das Wohl und die Gesundheit der Bevölkerung gehe. Wer greift denn juristisch ähnlich eindeutig durch, wenn wieder mal nachgewiesen wird, dass z.B. der Konkurrenzdruck im Arbeitsleben die Menschen krank macht? Aber so etwas wird in Kauf genommen, da es sich um ein „systemrelevantes notwendiges Charakteristikum“ handelt (zu Deutsch: „da kann man nichts machen!“).

Ich denke: das ist politisch so gewollt.
Es geht letztlich darum, die Herrschaft über das öffentliche Bewusstsein zu behalten; getreu dem Marx-Wort: „Die herrschende Meinung ist immer die Meinung der Herrschenden.“
Insofern ist das Verbot durchaus konsequent: Wer kann nach „begnadetem“ Mescalin-Trip schon noch z.B. das Konkurrenzstreben am Arbeitsplatz ernst nehmen? Gut, man macht es wohl noch mit, da man seinen Lebensunterhalt irgendwie verdienen muss, aber wirklich mit Überzeugung noch dahinterstehen? Ich konnte und wollte das nicht mehr (und so etwas bedeutet Herrschaftsverlust des momentanen politisch-ökonomischen Gesellschaftssystems). Mir ist es jedenfalls so gegangen. Danke meinem Mentor! Danke Mescalin!
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Protokoll der 3. Sitzung [von insgesamt 15, nicht nur 13, wie zuvor irrtümlich aus dem Gedächtnis angenommen] am 15.02.1970
[mit geschätzten ca. 600 mg Mescalin; in eckigen Klammern: heutige Einfügungen]:

Es zeigten sich viele Dinge, die ich nicht ohne weiteres in einen geordneten Zusammenhang bringen kann. Ich muss sie teilweise zunächst mal unverbunden nebeneinander bestehen lassen. Andererseits gab es wieder größere in sich zusammenhängende Bereiche.

Zum ersten Mal beginne ich die Sitzung ohne vorherige Angstgefühle. Ich weiß inzwischen, ich kann mich fallen lassen, ohne dass mir etwas passiert. Sehr geholfen hat mir dazu eine Sicherheit im Gefühl Ch. [damalige Freundin] gegenüber. Es war ein ausgesprochenes Glücksgefühl, sich vertrauensvoll innerlich fallen lassen zu können und ein wohltuendes Gefühl der Wärme und Weichheit. Es gab auch im Verlauf der Sitzung kaum noch die Vorstellung von R als Kontrollperson.

Zunächst tauchte sexuelle Problematik auf; die vorzeitige Ejakulation als ein trotzartiges Wegwerfen und das Nicht-Zum-Orgasmus-Gelangen, als ein Nicht-Hergeben-Wollen der Zärtlichkeiten und Gefühle. Entsprechend der zweiseitigen Haltung des Selbstmitleids und der trotzig-bösartigen Wildheit des Tieres. Außerdem beide Faktoren verhaftet mit dem Gefühl des dauernden Pinkeln-Wollens und andererseits –Müssens. Dazu tauchte auf die Angst, beim Ficken einen auf den Hintern zu bekommen und zwar gerade in dem Augenblick, wenn man ihn beim Coitus etwas heraufreckt; was gleichzeitig Kastrations- und Todesangst [bei mir] mitbeinhaltet.
Die Vision als schlangenähnlicher Fisch in einem tiefen schwarzen oder dunkelblauen Meer ganz ruhig zu schwimmen, stellte den Uteruswunsch dar, verbunden mit einem unendlich süßen Ruhegefühl. Leider hatte der aalähnliche Fisch aggressiv glänzende Stielaugen. Die gleichen Augen, die später aus einer auf dem Meeresgrund liegenden, sich öffnenden, scharfkantigen Kammuschel hervorlugten. Die Scheide ist für mich eine scharfkantige Kastrationsgefahr, außerdem noch ein Wohnort für unnachgiebig beobachtende Über-Ich-Augen.

Als Symbol für dissoziierte Geschlechtsfunktion:
1.) zurückgehaltener und vorzeitiger Orgasmus,
2.)Aggression und Selbstmitleid,
3.) Scham über: aggressive Art des Anpinkeln-Wollens und –Nicht-Könnens und über das Anpinkeln-Müssen und –Nicht-Wollen [also ein verdammter in sich widersprüchlicher Seelenknoten, schon eine komplette Laokoongruppe!].

Große Trauer über meine hässlichen Gedanken und Gefühle über die Scheide; diese Trauer kann ich aber nur haben, wenn ich im Hintergrund weiß, wie schön es ist, in dieser Richtung richtig zu empfinden.
Weiter tauchten auf ein menschliches Gesicht, das mich enorm erschütterte; es tauchte nämlich genau nach einer aggressiven Tigerphantasie-Phase auf, in der ich mit den Worten [Begriffen] Liebe und Menschlichkeit nicht mehr die entsprechenden Gefühle verbinden konnte. Es waren leere Worte. Es war entsetzlich, zumal ich noch wusste, dass es irgendwann einmal etwas für mich enorm Wichtiges bedeutete. Dieses Gesicht war eine Mischbildung aus Vater- und Muttergesicht, aus Weichem und Strukturiertem. Dann darauf große Trauer, dass männlich und weiblich eben nicht vereint, sondern getrennt sind. Diese Trennung leitete dann allmählich über zum Thema des Todes: Ich sah ein entsetzlich anzuschauendes graues weibliches Gesicht mit einem riesigen herabhängenden zerfurchten und schwellenden Mund. Dieser entsetzliche Mund öffnete sich ganz wenig, und hervor schossen alle möglichen aggressiven scharfen Stacheln und Spitzen. Das Gesicht selbst schien zu schlafen, war jedenfalls von einer gewaltigen naturhaften schläfrigen Dämonie. Ich weiß, dass ich den Wunsch hatte, etwas noch entsetzlicheres zu sehen.

Es tauchten auf Totenköpfe, das Gesicht meiner Mutter, die eine Hälfte lebendig, die andere Hälfte Totenkopf, eine abgeschlagene Hand. Dann kam allmählich der Höhepunkt.

Es begann mit einer Phase der Entpersonalisierung und der dazugehörigen Frage nach meiner Person. Wo komme ich her, wer bin ich. Als Antwort kam zunächst die Möglichkeit: von den Sternen und dem weiten kalten Weltraum herzukommen. Von meinem Gott eben, von der Kühle, der Ruhe, dem Tod. Doch das war zu gigantisch, zu unmenschlich und zu göttlich. Dann sah ich die Personifikation dieses meines Gottes: Er hatte einen langen kostbaren Königsmantel an, der war gemacht aus der Schwärze des Weltraums und dem kalten Licht der Stern. Die Borte waren schwer bestickt mit Silberbrokat. In den Händen hielt er ein Szepter und einen Reichsapfel, auf dem Kopf trug er eine hohe Bischofsmütze aus Schwarz und Silber. Er hatte kein Gesicht. R forderte mich auf, ihm ins Gesicht zu schauen [ich tat das]. Da bildete sich langsam das Gesicht: Es war ein freundliches, menschliches Gesicht, mit lächelnden Augen und einem rötlich-blonden Schnurrbart. Dieses Gesicht wandelte sich sofort um in das meines Großvaters: grau, mit eingefallenen Wangen, grauen Haaren und dem kleinen grauen Schnurrbart auf der Oberlippe, den Tod vor Augen. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Es war mein sterbender Großvater, er war unter entsetzlichen Qualen an Darmkrebs gestorben. Und sofort wurde ich zu meinem sterbenden Großvater; ich krümmte mich vor Schmerzen, zog die Beine eng an den Bauch und begann zu wimmern und zu stöhnen; gleichzeitig das Gefühl, im Tode allein zu sein, meine Frau, die Großmutter väterlicherseits, durfte ich nicht belästigen mit meinen Schmerzen. Ich knirschte vor unterdrücktem Schmerz mit den Zähnen.

Ich merkte, wenn ein neuer Anfall kam, denn dann ging das Stöhnen wieder an und steigerte sich zu einem ununterbrochenen tierisch stöhnenden Ausatmen (man kann eben nur stöhnen, wenn man ausatmet), das mir die Luft nahm, und ich zu ersticken drohte. Die ganz klare körperliche Erkenntnis überfiel mich dabei immer wieder: So ist er gestorben, und er durfte in seinem namenlosen Elend noch nicht mal schreien; seine Frau hat ihn nicht geliebt, hatte kein Mitleid und hat ihm seine Schmerzen nicht durch menschliches Mitgefühl erleichtert. Es war ihr einfach zu unappetitlich und zu grauenhaft. Und mit diesem Großvater habe ich mich identifiziert, so vollkommen identifiziert, dass ich meinen ganz persönlichen Todesgott aus ihm machte und ihn wie einen Gott allmächtig, ungreifbar und unangreifbar, nicht geworden, sondern seiend, machte. Ich habe zum ersten Mal erfahren, wie Götter entstehen, aber das Warum ist mir noch längst nicht klar.

Ein Teil des Komplexes ist für mich sichtbar geworden:

Das Stöhnen, Wimmern und Sich-Zusammenkrümmen ist entstanden:
1.) aus dem sterbenden Großvater,
2.) durch das alliierte Bombardement,

das Japsen und nach Luftschnappen kommt:
1.) vom sterbenden Großvater,
2.) von der beginnenden Erstickung in den Decken, als wir vor dem Beschuss in den trockenen Brunnen geflüchtet waren,
3.) von einer beginnenden Erstickung in den Seilverschnürungen über meinem Kinderbett [weiß ich nur aus Erzählungen; mein Vater hatte über meinem Kinderbettchen Seilverschnürungen angebracht, da ich mich im Schlaf öfter im Bett aufstellte und aktiv wurde].

Die aggressive Tigerphantasie ist [auch] die Reaktion auf diese Todesdrohungen. Dieser Tiger zeigt alle Bedrohungen nochmals verdichtet:
Das Zähneknirschen und –zeigen, das Fauchen, das sich in fürchterlicher Wut zusammenkrampfen, das Gesicht mit selbstzerstörerischer Wut in die Kissen und Decken drücken. Der frühe Kinder[angst]traum vom Tiger, den ich wecke, der mich bedroht, und mit dem ich mich [am Ende des Traumes] verbünde, ist damit für mich eigentlich klar; ebenso meine bis vor kurzem nochmals intensiv auftretende Empfindlichkeit der Zähne, die übrigens jetzt schlagartig nachgelassen hat.
Eine Assoziationskette tauchte vor allem nach dem Höhepunkt immer wieder auf:
Ich sehe die Augen meiner Mutter; sie wandeln sich sehr schnell um in sanfte, weiche, gelbe Eulenaugen, die sich ganz sanft halb schließen, dann tritt der Schnabel der Eule ins Feld der Aufmerksamkeit, der Schnabel ist scharf, spitz und drohend. Aus den Eulenaugen werden Tigeraugen, aus diesen längere, symmetrisch zusammengesetzte Bohnen- oder Nieren-artige Gebilde.

Exp Year: 1970ExpID: 91610
Gender: Male 
Age at time of experience: 22 
Published: Jun 2, 2018Views: 1,394
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Mescaline (36) : Small Group (2-9) (17), Guides / Sitters (39), Retrospective / Summary (11)

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