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Der Tag an Dem Ich Starb
DMT & Syrian Rue
by stillalive
Citation:   stillalive. "Der Tag an Dem Ich Starb: An Experience with DMT & Syrian Rue (exp81462)". Erowid.org. Feb 13, 2017. erowid.org/exp/81462

 
DOSE:
T+ 0:00
3 g oral Syrian Rue (extract)
  T+ 0:40 320 mg oral DMT (capsule)

BODY WEIGHT: 73 kg


Der Blick des sterbenden Schneemanns in die Sonne

Dosierung: 3 Gramm gemahlene Steppenrautesamen.
40 Minuten später: 320 mg bräunlich kristallines DMT oral in einer Gelantinekapsel

Vorgeschichte:
Ich habe seit ca 10 Jahren recht viel Erfahrung gesammelt mit Psycholytischen Substanzen, die durchweg sehr gute Qualität hatten: LSD, MDMA, Methylon, DMT, Mescalin, und Pilze.
Meistens bin ich in professionell und freundschaftlich geleiteten Settings gereist, öfters aber auch schon alleine.

Bisher habe ich DMT zweimal oral eingenommen und schon mehrmals geraucht. Die meisten Erfahrungen mit DMT waren äusserst beeindruckend, und haben mich neugierig gemacht auf das gewaltige Potential dieses Stoffes. Die Lektüre des Buches von Strassmann „DMT“ hat mich zusätzlich darin bestärkt, weiterhin mit DMT zu experimentieren.

Nun zur Reise:
zehn vor elf Vormittags: Ich weiss, dass ich für die nächsten 10 Stunden alleine im Haus sein werde. Ich nehme den sorgsam zubereiteten Sud zu mir:– einen Auszug aus 3 Gramm Steppenraute. Mit einer Pfeffermühle habe ich am Tag zuvor die Samen dieser Wüstenpflanze zu einem sehr feinen Pulver zerrieben und dann mit dem Saft einer Limone und etwa ebensoviel Wasser ca. anderthalb Stunden gekocht. Ein Teefilter aus Papier diente dazu, die gröberen Bestandteile am Ende herauszufiltern. Übrig blieb ein gelblich grüner, nicht sonderlich appetitlich aussehender Saft, der ein halbes Trinkglas füllt. Ich trinke ihn. Es gibt sicherlich schmackhafteres. Aber da ich weiss, dass es für einen guten Zweck ist, macht es mir relativ wenig Mühe. Die Spannung und Vorfreude überwiegt, zumal mich die pflanzlichen Wirkstoffe zunehmend mehr reizen.

Ein sachkundiger Bekannter hat mir geraten, dass ich mit der Einnahme des DMT warte, bis die leicht sedierende Wirkung des Harmalins eingesetzt hat, um sicher zu gehen, dass das später oral zu mir genommene DMT auch wirken kann. Vierzig Minuten später – um halb zwölf vormittags - beschließe ich, die von mir selbst gefüllte Kapsel mit sorgsam abgewogenen 320 mg bräunlichem DMT zu mir zu nehmen – obwohl ich zu diesem Zeitpunkt eigentlich keine Wirkung der Steppenraute spüren kann. Ich halte für möglich, dass das ganze Experiment ein Flop wird.
Ich halte für möglich, dass das ganze Experiment ein Flop wird.


Nach ca 25 Minuten setzt eine erste deutliche visuelle Wirkung des DMTs ein. Geometrische Muster überlagern meine optische Wahrnehmung des Raumes, in dem ich mich befinde. Obwohl ich mich freue, dass es offensichtlich gelungen ist, die entsprechenden Enzyme (MAO) mit Hilfe des Harmalins der Steppenraute daran zu hindern, das DMT abzubauen, finde ich die geometrischen Muster nicht sonderlich spannend. Sie berühren mich nicht, haben keine Bedeutung für mich. Kurze Zeit später baut sich in mir eine weiche, wohlwollende Energie auf – die Reise, von der ich noch nicht weiss, wo sie mich hinführen wird, scheint unter einem guten Stern zu stehen. Dann flacht bald die Wirkung wieder ab und ich frage mich leicht enttäuscht, ob es das schon war. Einem verrückten Impuls meiner Gier, doch noch ein Gramm Pilze zu nehmen, widerstehe ich entschieden, es ist nur ein Gedanke mit keinerlei Willenskraft, nur ein Gedankenspiel mit einer Möglichkeit, der ich angesichts dessen, was dann später noch kommt, Gott sei Dank widerstehe.

Zu gut weiss ich, dass das DMT in Wellen kommt und in seinem Verlauf für mich unberechenbar ist. Ich warte also weiter ab. Sodbrennen stellt sich ein – sicherlich eine Folge des DMTs in meinem Magen. Kurz frage ich mich, ob die Kapsel vielleicht in meiner Speiseröhre stecken geblieben ist und sich dort aufgelöst hat. Ich trinke etwas – warte weiterhin ab. Es dauert nicht lange und es beginnt mich eine untergründige Furcht zu beschleichen. Eines ist gewiss: Es geht mir zunehmend schlechter, Angst und Unruhe befällt mich, ich muss mich übergeben, immer öfter, versuche wieder zu mir zu finden, fühle mich zunehmend überwältigt von einer Kraft, die stärker ist als ich, die mich in die Zange nimmt, mich ihr gnadenlos unterwirft, meinen Körper in Aufruhr versetzt, mich immer öfter übergeben lässt.

Zum Glück habe ich in weiser Voraussicht eine entsprechende Schale für diesen Fall bereitgestellt. In meiner Not gestehe ich ein: „Ja, ich sehe es sein – ich will nicht eingestehen, dass es etwas Grösseres gibt als mich, dem ich mich hingeben muss, etwas viel Gewaltigeres als ich, etwas, das ich anerkennen muss als eine Kraft, die über mir steht, der ich ausgeliefert bin, ähnlich dem Schneemann, der in die Sonne blickt, genügend Bewusstseinskraft hat, sie wahrzunehmen aber keinerlei Chance, sich ihrer schmelzenden Kraft zu entziehen. Das was er sieht, wird zweifelsohne seine Form, seine Identität zum Schmelzen bringen. In meiner Not erkläre ich mich bereit, zu sterben, lege mich hin, wie ich es im Umgang mit psychedelischen Substanzen gelernt habe, um wieder Stille zu finden. Aber die anbrandende Kraft ist einfach zu stark – macht mir zuviel Angst, ich habe Angst zu sterben, leide immer mehr, fühle mich irgendwann nur noch in den Schlamm einer leidvollen Existenz gepresst, gezwungen, zu sterben, meine Identität für immer aufzugeben, mich zu verlieren – Panik erfasst mich, dass ich mich für immer verlieren könnte, mich nie mehr wieder finden werde. Ich gerate in einen seltsamen energetischen Raum, in dem nur noch fließende Energien sich formieren, ständig ineinander übergehen, fremdartige Energien, eine fremde Welt, für die ich noch nicht reif bin, so fühlt es sich an.

Dann beginne ich auf einen Punkt zuzusteuern. Das Gefühl ist: wenn ich in diesen Punkt eintauche, wird es mich zerreissen – entweder werde ich erleuchtet oder wahnsinnig. Dieser Punkt erscheint mir wie das Zentrum des Bewusstseins, allen Seins, am ehesten lässt sich die Verrücktheit mit dem Effekt andeuten, den man auf einem Bildschirm erzeugen kann, wenn eine Video-Kamera sich auf den Bildschirm richtet, den sie mit ihren Bildern speist: Es entsteht eine selbstbezügliche Schleife, die in die Unendlichkeit zu weisen scheint. Nur dass jetzt mein eigenes Bewusstsein mit sich selbst kurzgeschlossen wird. Ich ahne, dass ich mich dem hingeben sollte, aber die Angst vor dem Wahnsinn ist viel zu gross – Todesangst. TodesANGST. TODESANGST. Plötzlich befinde ich mich in absoluter Leere. Nichts. Einfach nichts. Ich bin nicht mehr ich, sondern nur noch ein erstaunter identitätsloser Bewusstseinspunkt, Erstaunen über die absolute formlose Leere. Nichts. Einfach Nichts.

Dann sehe ich ein hyperintelligentes Wesen – wie ein vielarmiger Elephant aus der indischen Mythologie – das sich über unsere Welt beugt, die es gerade erschafft. Der Schöpfer unserer Welt. Dann wieder unendliches körperliches, nein eher seelisches Leid. Ich habe keine körperlichen Schmerzen, aber leiden tue ich trotzdem unendlich. Ich winde mich im Kampf um mein Leben. Nein! Ich will nicht sterben! Ich bin doch so froh am Leben zu sein! Ich schreie innerlich um Hilfe. Immer wieder. Dieses Leid erscheint mir wie eine tiefere Wirklichkeit, fühlt sich realer an als meine normale Alltagswirklichkeit – als ob meine bisher erlebte Normalität nur illusionärer Zuckerguss über dem eigentlichen Schrecken des Daseins war. Ein Zuckerguss, der jetzt ein für alle mal durch das DMT zerstört ist. Mein Panzer der Selbstgenügsamkeit, mein Bollwerk gegen mein existentielles Zittern ist in tausend Stücke gesprengt. Ich bin nur noch innerlich wimmerndes Elend.

Nach einer weiteren Attacke des Erbrechens entsteht in mir der Wunsch zu duschen. Ich nutze eine Phase, in der ich mich kurzzeitig wieder einiger maßen auf den Beinen halten kann, und begebe mich von unserem Dachstock hinunter ins Badezimmer. Ich wundere mich im nachhinein, dass ich in meinem zustand die steile Treppe nicht hinab gestürzt bin. Ich schaffe es mit staksigen Schritten noch zur Dusche. Dieser Ort wird für mich die Sterbekammer. Ich verliere teilweise komplett die Orientierung, setze das halbe Badezimmer unter Wasser, weil das Wasser nicht mehr so schnell abfliesst, wie ich es laufen lasse. Ich trinke aus dem Duschkopf, friere sofort, wenn ich nicht warmes Wasser über mich fliessen lasse, Irgendwann stelle ich mit Schreck fest, dass sich das Wasser bereits bis in unseren Gang ausgebreitet hat. Mühsam schalte ich das Wasser ab, kämpfe um Koordination, breche wieder zusammen, beginne wieder zu frieren, habe wieder Durst – stelle das Wasser wieder an. Ich verliere komplett die Kontrolle über mich. Mein Zustand wird immer schlimmer, immer bedrohlicher. Das Sterben geht weiter. Dann hört mein Magen gar nicht mehr auf sich zu heben und zu senken. Es ist wie atmen, nur dass mein Magen statt Luft Wasser in sich aufnimmt um es dann wieder fast unverkrampft von sich zu geben.

Im nachhinein würde ich sagen, dass ich zu diesem Zeitpunkt einen fast komplett widerstandslosen ergebenen völlig aufgeweichten Zustand erreicht hatte, an dem sich ein Hauch von entspannter Glückseligkeit in mein Bewusstsein verirrte. Doch dann ging der Höllenritt weiter. Plötzlich dämmert mir, nein trifft mich schliesslich die Erkenntnis wie ein Blitzschlag, dass ich heute zu weit gegangen bin, dass ich jetzt sterbe. Mehrfach trifft mich dieser Erkenntnisschock, dass ich gerade dabei bin zu sterben. Oder zumindest, dass ich tatsächlich Schaden genommen habe. Ich bin jetzt überzeugt, dass ich für immer den in mir zerstört habe, der ich war, dass man mich finden wird, entweder tot oder völlig durchgeknallt, alle neuronalen Schaltkreise in meinem Gehirn unwiederbringlich durchgeglüht und ich werde den Rest meines Lebens mit einer schrecklichen Bewusstseinswüste in meinem Kopf in der Psychiatrie mein Dasein fristen müssen, unfähig, zu erklären, was geschehen ist, nur noch genügend Bewusstsein, um zu leiden, aber mehr auch nicht. Ein bedauerlicher Pflegefall. Man wird rekonstruieren müssen, was geschehen ist. Ich habe ANGST, ANGST, ANGST. Ich kann mich nicht bewegen, kann nicht für mich sorgen, friere, decke mich mit nassen kalten Tüchern mühsam zu, sauge Wasser aus den Tüchern, weil ich Durst habe.

Schliesslich begreife ich: ich muss dringend Hilfe holen. Ich schleppe mich zum Telefon, rufe eine Freundin an, die leider nicht zu Hause ist, spreche ihr mühsam mit Grabesstimme auf Anrufbeantworter, dass ich dringend Hilfe benötige. Dann stelle ich kurze Zeit später das Wunder fest: die Wirkung lässt nach.
stelle ich kurze Zeit später das Wunder fest: die Wirkung lässt nach.
Etwas, das ich nicht mehr für möglich gehalten hätte. Es ist jetzt vier Uhr nachmittags. Ich rufe noch mal an, spreche ein zweites Mal auf Anrufbeantworter und gebe Entwarnung. Kurze Zeit später taucht sie auf und kümmert sich um mich.

Später kommt die erlebte Furcht in Wellen wieder, auch Tage später noch, untergründiger, nicht mehr so stark. Bei der ersten Welle fühle ich die Angst eines Astronauten, der zulange im Universum war, dort seine Menschlichkeit zu sehr verloren hat und dessen Schwerkraft nun nicht mehr ausreicht, um zur Erde, dieser einzigen Insel im unendlich fremdartigen und kalten Universum, zurückzuschweben. Er hat genug Bewusstsein, um zu erkennen, was ihm geschieht, aber keinerlei Kraft und Möglichkeit, sein eigenes Davon schweben und Verloren gehen im Weltraum zu verhindern. Einmal, zwei Tage später beim Joggen, ist mir, als tauchten zwei dinosaurierartige Echsen aus dem Wald auf, die mich beäugen. Es ist eher eine lebhafte Phantasie, keine Halluzination, aber doch deutlich von DMT-Qualität. Ich bewege mich noch ein paar Wochen mit meinem Bewusstsein immer mal wieder sehr nah an der Grenze zu dieser unheimlichen Welt. Erstaunlicherweise bin ich trotz allem arbeitsfähig, war allerdings froh, die Woche unmittelbar nach der Erfahrung am Wochenende etwas frei gehalten zu haben.

Rückblickend war es der reine Wahnsinn, diese gewaltige Reise alleine ohne Sitter zu unternehmen. Zu meiner „Entlastung“ muss ich sagen, dass ich solch eine Dimension der Bewusstseins-Sprengung noch nie erlebt habe – selbst meine Erfahrung mit 600 mikrogramm LSD (mit Sitter) waren ein gemütlicher Waldspaziergang dagegen. Mir ist noch mal klar geworden, wie sehr es bei DMT auch auf das richtige Timing und die Qualität des Harmalins ankommt. Mehrfach wurde mir während der Vorbereitung der Reise versichert, dass 320 mg DMT eine gute Dosis sei und genau jene, mit der ich schon in einem Gruppensetting sehr gute Erfahrung gemacht hatte. Ich hatte für meinen hier beschriebenen Selbstversuch genau den selben Stoff aus der selben Quelle genommen. Allerdings verwendete ich ein anderes Harmalin, das offensichtlich extrem potent war. Ein weiteres Experiment mit DMT werde ich nur mit einem Sitter durchführen und allenfalls die Hälfte, wenn nicht sogar ein Drittel der DMT-Menge nehmen, also zwischen 100-160mg DMT.
Einer der positiven Effekte war, dass ich durch dieses Erlebnis auf unglaubliche Weise mit einer erbarmungslosen Wucht in die Demut katapultiert wurde. Seit dem habe ich mehr Mitgefühl mit leidenden Lebewesen. Ein weitere positive, wenn auch sehr harte Lektion war die Erkenntnis, dass es eine unermesslich grössere Kraft gibt als mich.

Ein paar Monate lang hatte ich seit dieser Erfahrung Angst vor dem Tod, die mir früher fremd war, weil ich seit der Reise die Befürchtung hatte, dass ich dann wieder - und zwar dann ohne Rückfahrschein - in diesen Raum unendlichen Leidens und Wahnsinns geraten werde. Vor kurzem machte es plötzlich „Klick“ und ich begriff, dass ich ja auch von daher komme, dort war, bevor ich geboren wurde, mich jetzt eine Weile auf dieser Insel der Menschlichkeit aufhalten darf, bevor ich wieder gehen muss, d. h. dass diese unermesslich grosse Macht mich ja offensichtlich auch hierher gebracht hat, mir also auch wohl gesonnen ist und nicht nur so schrecklich, wie ich sie während der Reise erlebt habe.

Exp Year: 2008ExpID: 81462
Gender: Male 
Age at time of experience: 43 
Published: Feb 13, 2017Views: 1,091
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